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Erfurt, den 14. Dezember 2022

Gemeinsamer Protest der ambulanten Leistungsträger


Mehr als 600 Ärzte, Psychotherapeuten, Zahnärzte und Apotheker haben heute vor dem Thüringer
Landtag in Erfurt gegen den Abbau der ambulanten Versorgung protestiert. Sie sehen die wohnortnahe Versorgung der Bürgerinnen und Bürger durch einen Sparkurs von Politik und Krankenkassen sowie durch Überlastung unnötiger Bürokratie bedroht.
Zum Protest aufgerufen hatten die fachärztlichen und zahnärztlichen Berufsverbände Thüringens
sowie der Thüringer Apothekerverband. Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen und die
Landesapothekerkammer Thüringen unterstützen das Ansinnen.


Hintergrund


Die ambulante Gesundheitsversorgung der Menschen in Thüringen ist zunehmend gefährdet. Die im
GKV-Finanzstabilisierungsgesetz vorgesehenen Einsparungen im ambulanten Versorgungsbereich
werden weitreichende Folgen für Patientinnen und Patienten haben. Entzieht man den in der
Versorgung engagierten Ärzten, Psychotherapeuten und Apotheken die Mittel, kann die ambulante
Gesundheitsversorgung nicht aufrechterhalten werden.
Arztpraxen und Apotheken müssen weiter lebensfähig bleiben, denn sie sind Arbeitgeber für viele
Menschen in Thüringen, die ihre Existenz auch bei steigenden Energiepreisen und
Lebenshaltungskosten sichern wollen. Es ist nicht nachvollziehbar, dass Kliniken und große
Industriebetriebe durch Milliardensummen unterstützt werden, in der basalen Gesundheitsversorgung jedoch gespart wird.


Statements von Teilnehmern des Protestes


Dr. Sabine Köhler, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie in Jena: „Die fehlende
Wertschätzung der Politik macht die Sparrunden, die die Krankenkassen den Ärzten anbieten,
salonfähig.“

Dr. Denise Lundershausen, Hals-Nasen-Ohren-Ärztin in Erfurt: „Wir fordern Respekt, ein Ende der
Sparpolitik und echte finanzielle Unterstützung für die ambulante Versorgung der PatientInnen in
Thüringen.“


Stefan Fink, Apotheker in Weimar: „Als Heilberufler sind wir entsetzt über die aktuellen
Entwicklungen in der Gesundheitspolitik. Kostensparzwänge und Bürokratieauflagen machen die
Versorgung der Patientinnen und Patienten in der Fläche immer schwieriger.“

Dr. Ulf Zitterbart, Facharzt für Allgemeinmedizin in Kranichfeld: „100.000 Bürger*innen des
Freistaates finden in ihrer Nähe keine Praxis für Allgemeinmedizin. Konzepte gegen diesen Mangel
dürfen nicht in den Schubladen liegen bleiben.“


Dr. Knut Karst, Zahnarzt in Ilmenau: Zahnärztemangel kommt nach Thüringen! Wenn sich die
Rahmenbedingungen mit neu angeordneter aufwendiger digitaler Bürokratie und nun limitierter
Honorierung fortsetzen, werden wir verstärkt eine Abwanderung der Kollegen und Kolleginnen in die
vorgezogene Rente sehen. Weil aktuell 26 Kollegen keinen Nachfolger gefunden haben, stehen ab dem
1. Januar 16.000 Patienten in Thüringen ohne Zahnarzt da. Wir brauchen ein Bekenntnis zu ambulanten Strukturen und ein gemeinsames Handeln aller Akteure.“


Das Bündnis


Gegen den Abbau der ambulanten Versorgung ist eine gemeinsame Initiative der fachärztlichen und
zahnärztlichen Berufsverbände in Thüringen sowie des Thüringer Apothekerverbandes.
Ansprechpartner für die Medien

Dr. Sabine Köhler
Vorsitzende des Berufsverbandes deutscher Nervenärzte Thüringen
E-Mail: sab.koehler@web.de

Dr. Denise Lundershausen
Vorsitzende des Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte Thüringen
E-Mail: deniselundershausen@icloud.com

Stefan Fink
Vorsitzender Thüringer Apothekerverband
E-Mail: fink@thav.de

Dr. Ulf Zitterbart
Vorsitzender Hausärzteverband Thüringen
E-Mail: ulf.zitterbart@hausaerzteverband.de


Dr. Knut Karst
Referent für Bedarfsplanung und vertragszahnärztliche Sicherstellung bei der KZV Thüringen
E-Mail: KnutKarst@gmail.com